Eisenvogel


Es ist bald ein Jahrhundert her, daß Mola, meine Großmutter als Kleinkind die wohl jüngste Nonne Tibets war. Sie konnte noch kaum richtig sprechen, war aber damals schon fasziniert von den Nonnen des Klosters Ahne, die ihre Tage im nahen Tempel zubrachten. Dort beteten, sangen und meditierten sie mit kahlrasierten Köpfen. Mola wollte so werden wie diese Frauen. Sie wollte sich auch die Haare scheren und dieselben roten und gelben Gewänder tragen, sie wollte genauso würdevoll und ruhig und heilig sein wie sie.


Mola band sich ihre kleine Tochter mit einem großen Tuch so fest auf den Rücken, daß kein Wind und keine Kälte zwischen sie beide fahren konnte, bevor alle noch einmal in den Tempel gingen. Tsering und Mola warfen sich zu Boden, beteten ein letztes Mal zu den Gottheiten.

„Seine Heiligkeit, der Dalai Lama, hat das Land verlassen“, murmelte Mola, „wir müssen nun auch fort. Bitte schützt uns und wacht über uns.“ Dann war es Zeit für den Aufbruch in eine ungewisse Zeit.


Mola, die Nonne, die sich in den Mönch Tsering verliebt, ihn heiratet und trotzdem weiter als Nonne geduldet wird, verläßt mit ihren beiden Töchtern Tibet, nachdem die Chinesen in Tibet eingezogen sind.

Sonam ihre ältere Tochter überlebt die Flucht nach Indien. Tsering kann sich nicht eingewöhnen und stirbt nach 2Jahren.

Nach kargen Jahren wandert die übriggebliebene Familie mit Hilfe von Martin Brauen, in die Schweiz aus. Sonam heiratet ihn und führt in der Schweiz ein schwieriges Leben mit Mutter und Mann als Exiltibeterin. Zwei Kinder werden geboren. Yangzom und Tashi. Sie arbeitet ihre Geschichte in gemalten Bildern auf.

Yangzom die ein begehrtes Modell wird beschreibt die Lebensgeschichte ihrer Mutter und Großmutter und die tiefe Liebe zu ihrer Heimat Tibet.

Eine beeindruckende Geschichte über ein wahrhaft einfaches Leben in Tibet, über den Lebensstil einer budhistischen Nonne. Die Weitergabe vieler Attribute an die Tochter und die Schwierigkeit in der westlichen Welt damit zurechtzukommen. Die Liebe zu Tibet, weitergegeben an die Enkeltochter, die das Land nur aus einem Besuch und Erzählungen kennt.


Tibet ist für mich ein sehr faszinierendes Land - zu gerne würde ich dorthin reisen!

In solchen Lebensgeschichten kann ich mich ein bisschen dorthin träumen!

Kommentare

  1. Das Buch habe ich gleich auf meine "Das will ich lesen"-Liste gesetzt - danke für den Tipp, klingt sehr interessant!
    Liebe Grüße
    Verena

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  2. liebe elfi,

    das leben selbst schreibt solch wunderschöne geschichten, auch und gerade weil sie entbehrungen und enttäuschungen beinhalten.
    du hast mich sehr neugierig gemacht ...
    die zeit, in der ich viele ruhige stunden mit büchern verbringen kann, neben all den bilderbuchbetrachtungen, wird kommen.

    deine schnee-fotos gefallen mir total gut!!

    sei herzlich gegrüßt aus einem gleichfalls tiefverschneiten städtchen!
    anita

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  3. lesen. auf der reise sein. zumindest in gedanken. sehr interessante beschreibung einer geschichte, die lust auf lesen macht.

    slg rena

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